Übersicht

Psychotherapie kann verstanden werden als eine „Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert“ (PsychThG §1, Abs. 3, Satz 1). Sie ist nicht der einzige, aber ein relativ gut beschriebener, durch gesetzliche Regelungen bestimmter Weg zu Auflösung sogenannter psychischer Störungen. Patienten können ihn einschlagen, wenn sie unter Schwierigkeiten im Zusammenhang mit ihrem Denken, Handeln und Fühlen leiden. Es ist jedoch nicht zwingend, diesen Weg zu gehen. Falls man sich dafür entscheidet, sind – sofern die Kostenübernahme durch die gesetzliche oder private Krankenversicherung angestrebt wird – einige formale Aspekte zu berücksichtigen. Die im deutschen Gesundheitssystem geltenden formalen Regelungen haben auch inhaltliche Auswirkungen, unter anderem weil sie bestimmen, welche psychotherapeutischen Verfahren als „wissenschaftlich anerkannt“ gelten, bzw. wie und durch wen darüber befunden wird, wieviele Sitzungen unter welchen Bedingungen maximal bewilligt werden, wer Psychotherapie zu Lasten der gesetzlichen Versicherungen ausüben darf und so weiter.
Neben den formalen Rahmenbedingungen gibt es weitere Bestimmungsfaktoren einer Psychotherapie. Hierzu zählen unter anderem die Passung zwischen Therapeut*in und Klient*in sowie deren je eigene Herangehensweise und ihr jeweiliges Vorverständnis.

bunte stühle

Zugang

Nachdem zunächst telefonisch ein Termin vereinbart wurde, können in einem ersten Gespräch die Belastungen und Beschwerden geschildert und der Therapeut oder die Therapeutin kennen gelernt werden. Hierzu müssen gesetzlich Versicherte die Chipkarte ihrer Krankenkasse mitbringen. Des Weiteren können – müssen aber nicht – eine Überweisung und Vorberichte mitgebracht werden. Bis zu fünf probatorische Sitzungen können – müssen aber nicht – vor Beginn einer Psychotherapie erbracht werden.

Probatorik

Die probatorischen Sitzungen sind nicht genehmigungspflichtig und die Kosten werden von den Krankenversicherungen unhinterfragt übernommen. Die eigentliche Psychotherapie ist genehmigungspflichtig und muss beantragt werden. Der Antrag besteht aus drei Teilen – 1. dem eigentlichen Antrag des Versicherten, welcher vom Therapeuten nach den Angaben des Versicherten unterschriftsreif vorbereitet wird, 2. den Angaben des Therapeuten zum Antrag des Versicherten und 3. dem Konsiliarbericht einer Ärztin oder eines Arztes nach Wahl des oder der Versicherten.

ABLAUF GKV

Wenn in den letzten zwei Jahren keine ambulante Psychotherapie durchgeführt wurde, wird der Antrag aufgrund dieser drei Unterlagen, die von der Praxis an die Krankenversicherung übermittelt werden, in der Regel rasch genehmigt. Der Beginn der eigentlichen Psychotherapie ist an diese Genehmigung geknüpft. Sofern jedoch in dem genannten Zeitraum eine psychotherapeutische Behandlung stattgefunden hat, können entweder – wenn bestimmte Voraussetzungen gegeben sind – die verbliebenen Sitzungen aus der vorangegangenen Therapie übernommen werden oder es muss ein neuer Antrag gestellt werden. Zu einem solchen Neuantrag gehört dann zusätzlich zu den oben genannten Unterlagen ein ausführlicher Bericht. Für die Erstellung dieses Berichtes haben entsprechende Studien einen durchschnittlichen Zeitaufwand für den Therapeuten von vier Stunden ermittelt, in der er seiner eigentlichen Arbeit mit den Patienten nicht nachgehen kann. Da Berichte außerdem nicht einmal kostendeckend, geschweige denn angemessen, vergütet werden, prüfen Therapeuten in der Regel sorgfältig, in welchem Umfang sie diese Tätigkeit auf sich nehmen können. Die Abrechnung der bewilligten Psychotherapie erfolgt über die Chipkarte mit der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung.

Beihilfe & Privat

Das Antragsverfahren für Beihilfeversicherte folgt der gleichen Grundidee, weicht jedoch in einigen Punkten ab. Zum Beispiel können hier maximal 15 Sitzungen (inklusive der fünf sogenannten probatorischen Sitzungen) ohne ausführlichen Bericht bewilligt werden. Die Abrechnung erfolgt nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ).
Das Antragsverfahren privater Krankenversicherungen ist individuell stark unterschiedlich und richtet sich nach dem geschlossenen Versicherungsvertrag, ebenso die Anzahl der erstattungsfähigen Sitzungen. Die Abrechnung erfolgt ebenfalls nach GOÄ.